Dokumentarfilme von Volker Koepp

Retrospektive DEFA-Dokumentarfilm 1961-1990 unter Leitung von Günter Lippmann
Volker Koepp 2009. Foto viennale
Volker Koepp 2009. Foto © viennale
Leben in Wittstock 1984, 85 Minuten
Märkische Ziegel 1989, 34 Minuten

In vierzig Jahren hat der Dokumentarfilmregisseur Volker Koepp (Jahrgang 1944) über fünfzig Filme produziert. Zweiundzwanzig Lebensjahre umfaßt seine Bekanntschaft mit Frauen aus Wittstock, die er immer wieder porträtiert. Über mehrere Jahre reist er durch den Ostteil Deutschlands, beobachtet Menschen aus dem Havelland, dem Oderbruch, von der Ostsee, aus dem Erzgebirge. Dabei sind Volker Koepps Beobachtungen frei von ideologischen Prämissen, er fragt sensibel nach Situationen, Geschichte, nach Heimat. Gemeinsam ist den Filmen, dass Volker Koepp die Verbundenheit der Menschen mit der Landschaft, in der sie leben, hinterfragt. Dabei vermeidet er jede Wertung oder Einordnung und findet einen sehr subjektiven Zugang. 

1974 macht sich Volker Koepp auf den Weg nach Wittstock, um dort junge Frauen im neu errichteten Obertrikotagenbetrieb "Ernst Lück" zu beobachten. Es entsteht der Kurzfilm MÄDCHEN IN WITTSTOCK (1975). Alle zwei, drei Jahre kehrt er an die Stadt an der Dosse zurück und dreht weitere Kurzfilme, 1984 dann den ersten abendfüllenden Dokumentarfilm. LEBEN IN WITTSTOCK (1984) ist als Ende der Reihe gedacht, aber es entstehen weitere Filme 1992 und 1997. Der Zuschauer kann über zweiundzwanzig Jahre am Leben der drei Frauen Edith, Renate und Stupsy teilhaben. Der Regisseur findet mit den Wittstock-Filmen sein eigenes künstlerisches Profil, welches ihn als Dokumentaristen einzigartig werden läßt. Ihm gelingen nachdrückliche Zeitdokumente, die vom Leben, den Wünschen und Träumen der einfachen Menschen berichten. Zwar erzählen seine Filme vom alltäglichen Leben der Frauen, inszenieren sie aber auch in überaus poetischen Bildern.

Volker Koepp: "Der erste lange Film 'Leben in Wittstock' lief 1985 im Forum der Berlinale, und der DEFA -Außenhandel verkaufte ihn an das Bayrische Fernsehen. Da ist Horst Pehnert (der Filmminister) zu Heinz Adameck, dem Chef des DDR-Fernsehens, gegangen und hat gefragt, ob der Film, bevor er im Westen ausgestrahlt wird, nicht vorher im Ostfernsehen laufen kann – aber auch da führte kein Weg rein." Zitiert nach „Das Prinzip Neugier“ DEFA Dokumentarfilmer erzählen, Verlag Neues Leben, 2012

Die Hoffnungen und das Bangen, die die Angestellten einer alten Ziegelei in Zehdenick bei Berlin zwischen dem Herbst 89 und den Wahlen des März 1990 in der DDR hatten, fing er in "Märkische Heide, märkischer Sand" ein, dem zweiten Teil seiner "Märkischen Trilogie". Ende der 80er Jahre hatte er dort "Märkische Ziegel" gedreht, in der die Arbeiter des jahrhundertealten Betriebes auch über ihre Hoffnungen auf die Perestroika reden. Erst nach langen Diskussionen und einigen Schnitten konnte dieser Film aufgeführt werden. Im dritten Teil, "Märkische Gesellschaft mbH" verfolgt der Filmemacher das Jahr 1990 und zieht eine ernüchternde Bilanz der Zukunftsperspektiven für viele Menschen in der DDR, die die unmittelbaren, schmerzlichen Folgen des gesellschaftlichen Umbruchs tragen mussten. Über "Märkische Ziegel" sagte er später:

"1988 drehte ich mit dem Kameramann Thomas Plehnert den Film 'Märkische Ziegel'. Die Arbeit im Werk verlief noch genauso wie vor 100 Jahren. Der Film war im Herbst 1988 fertig, wurde aber nicht zugelassen. ... Ich hatte mich auch geweigert zu schneiden. ... Die Leute sprachen damals über Michael Gorbatschows Buch ("Umgestaltung und neues Denken für unser Land und die Welt", 1988) und wir drehten einen Duschraum, den sich kein Mensch vorstellen konnte. Es ging in der Diskussion um die sozialen Einrichtungen, die man so nicht zeigen könne. Aber im Grunde genommen ging es um Gorbatschow und Perestroika. ... Es wurden damals Filme zugelassen über die alle staunten. Parallel war 'Winter adé' von Helke Misselwitz durch die Abnahme gegangen. Aber offenbar war das bei 'Märkische Ziegel' nicht möglich." Zitiert nach „Das Prinzip Neugier“ DEFA Dokumentarfilmer erzählen, Verlag Neues Leben, 2012

1999 legt Volker Koepp eine Dokumentation vor, mit der er neben dem nationalen auch internationalen Erfolg feiert. HERR ZWILLING UND FRAU ZUCKERMANN (1999) wird für den Europäischen Filmpreis nominiert. Fünf Jahre später führt der Regisseur das Projekt weiter mit der Dokumentation DIESES JAHR IN CZERNOWITZ (2004).

Volker Koepp erhielt zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen.

Quelle, sofern nicht anders angegeben: DEFA-Stiftung

Die Retrospektive DEFA-Dokumentarfilm 1961-1990 wird gefördert durch die DEFA-Stiftung, die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung und die Sparkasse Barnim.
geschrieben von gisbertamm am 13.08.2013 | 23:36 Uhr
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