Dokumentarfilmreihe. Heiner Sylvester: Die Trabant-Story, Die Wartburg-Story

Wendezeit. Filme ehemaliger DEFA-Dokumentarfilmer 1990-2010
Balázs Ackermann fährt den Trabbi auf zwei Rädern
Balázs Ackermann fährt den Trabbi auf zwei Rädern. Quelle: Hungarian Success Stories
Am Freitag, 16. Oktober 2015 um 19:30 Uhr zeigt der Verein Kulturhaus Heidekrug 2.0 im Rahmen der Dokumentarfilmreihe "Wendezeit. Filme ehemaliger DEFA-Dokumentarfilmer 1990-2010" unter Leitung von Günter Lippmann die Filme "Die Trabant-Story" und "Die Wartburg-Story" von Heiner Sylvester u.a. Der Regisseur Heiner Sylvester wird anwesend sein. Der Eintritt beträgt 5 Euro.
 

Die Trabant-Story

50 Jahre Trabant... unvergessen           2006/  45'

Regie:  Jörg Mischke / Heiner Sylvester
Kamera: Ines Thomsen / Robert Laatz

Zum 7. November 1957 war im Automobilwerk Zwickau alles gut geplant. Die Produktion des „Neuen“ war „politisch-ideologisch“ bestens vorbereitet: das Jugendaktiv P50 gebildet, ein Wettbewerb zum 40. Jahrestag der „Großen sozialistischen Oktoberrevolution“ gelaufen, und alle im Werk aufgerufen, für den neuen PkW einen Namen zu finden. „Muldeperle“, „Zwickel“ oder „Lux“ kamen dabei heraus. Schließlich entschied sich die Jury für „Trabant“, angeregt durch den Start des ersten künstlichen Erdtrabanten, der als Sputnik in die Geschichte einging. Mit großem Interesse und riesiger Erwartung wird der Kleinwagen, die ostdeutsche Antwort auf Goggomobil, Lloyd und Isetta, aufgenommen. Die Besitzer der Nullserienfahrzeuge, die plötzlich auf den Straßen erscheinen, werden umringt, ausgefragt, gebettelt, damit man Probesitzen und –fahren  kann.  Preiswert, robust, leistungsstark -  so feiert ihn nicht nur die Werbung. Und dabei bleibt es über viele Jahre: der Trabant ist es, der sie trocken zur Arbeit bringt, als Arbeitspferd und Transporter dient und die ganze Familie in den Urlaub kutschiert. Niemand ahnte, dass der Trabant genau das wird, was ein gewiefter Werbetexter formuliert hatte: Trabant- dein treuer Begleiter. Gehasst und geliebt im Alltag der DDR, hält er noch immer eine große Fan-Gemeinde in Trab.
 
Der Film erzählt Geschichten von gescheiterten Versuchen, dem Trabant ein zeitgemäßes Design und eine moderne technische Ausstattung zu geben. Geschichten von kleinen Veränderungen, die in der Regel zu Aufpreisen führten und Geschichten von fantastischen Produktionssteigerungen. Langjährige Trabi-Besitzer, aber auch solche, die nie einen haben wollte, erzählen, wie der Trabant den Alltag des DDR-Lebens prägte und  zum Synonym wurde: für den Mangel, die Begrenzung und den Ersatz, der überall herrschte. Aber auch für die kleine Freuden, die Nischen, die Improvisation, den Erfindergeist. 
Den letzten großen Auftritt hatte der Trabant, als nach der Grenzöffnung die DDR-Bürger ihr Begrüßungsgeld in langen Autoschlangen abholten und endlich in die Welt durften: Go Trabi, go…  Die  Trabant-Story, ein unterhaltsamer Film über ein kleines Auto, welches trotz aller geschichtlichen Widrigkeiten noch heute Freunde findet.
 

Die Wartburg-Story

Vom Traumauto bis zum Kultauto          2006 / 45' 
           
Regie : Heinz Brinkmann / Heiner Sylyester
Kamera: Manfred Köhler 

Werkleiter Zimmermann wurde aus Eisenach überraschend nach Berlin gerufen. Vor Ministern und Exper¬ten stellte das IFA-Werk Zwickau den neuen, mit ministerieller Genehmigung entwickelten „P 70“ vor, den Vorläufer des Trabant. 
Martin Zimmermann reagierte schnell und nutzte die Gunst der Stunde. Nur Tage später fuhr er mit einem gerade als Schwarzentwicklung im geheimen fertig gestellten Musterfahrzeug zum Berliner Ministerium. Der zuständige Minister Heinrich Rau war aber nicht anwesend. So beschloss der Werkleiter, das ZK der SED direkt anzusteuern. Die Genossen im ZK standen staunend vor dem auf Hochglanz  polierten, viertürigen Fahrzeugtyp „EMW 311“, den ersten Wartburg. Diese überraschende „Offerte der Arbeiter¬klasse“ konnte die Partei nicht ablehnen. Minister Rau musste formal eine Disziplinarstrafe von 5000 Mark aussprechen und die Entwicklung genehmigen. 
 
Die erste Präsentation der Wartburg 311-Modelle zur Leipziger Frühjahrsmesse 1956 erregte  großes öffentliches Aufsehen.
Die Entwürfe des hervorragenden Designers Hans Fleischer gehörten in den 50er Jahren inter¬national zur Spitze des Pkw-Designs. Das Wartburg Sportcoupé wurde auf dem Berliner Ku-Damm genauso bestaunt wie in Leipzig oder Dresden, oder auf dem Genfer-Automobil-Salon 1958. Fotos und Filme zeigen den Wartburg vor der Sky-Line New Yorks, vor der Akropolis, im finnischen Lappland oder den ägyptischen Pyramiden.
Die im Export erzielten Devisen waren der DDR- Staatsmacht willkommen, aber sonst bearg¬wöhn¬te sie die forschen Eisenacher sehr. Deren Weiterentwicklungen im Design gingen allzu sehr in Richtung eines westlichen Standards. Für die Genossen im ZK Grund genug, die Wart¬burg-Macher auszubremsen: „Wir wollen keinen Pkw für Snobs!“, meinte Politbüro¬mit¬glied Günter Kleiber und Interessenten für den Wartburg gab es im eigenen Land genug. 15 – 17 Jahre dauerte es nach der Anmeldung in der Regel bis zum Empfang des begehrten Fahrzeugs.
Nur der Zweitaktmotor trübte das Erscheinungsbild dieses „DDR-Traumautos.“ Eine schier unendliche Posse von Ministerratsbeschlüssen pro und öffentlichen oder geheimen Politbüro-Beschlüssen contra gingen dem serienmäßigen Einbau eines VW-Viertaktmotors ab 1988 voraus. Die Eisenacher hatten da längst einen fähigen eigenen Motor entwickelt. Doch alles war zu spät, um den Wartburg noch am Markt zu halten. Am 10.April 1991 verließ das letzte Fahrzeug, der 1.837.708.Wartburg vor den Augen der trauernden Belegschaft und vor laufenden Fernsehkameras das Band der Endmontage.
An der Entwicklung und Produktion in verantwortlichen Positionen beteiligte ehemalige Wartburg-Werker, aber auch Liebhaber und Fans, wie der belgische Franziskaner-Pater Pax de Rooy erzählen von Freud und Leid mit dem Wartburg und von seiner Entwicklungsgeschichte.
 

Die Filmreihe wird von der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung, Sparkasse Barnim und dem Verein der Bundestagsfraktion DIE LINKE e.V. unterstützt.

geschrieben von gisbertamm am 16.10.2014 | 23:41 Uhr
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